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100 Jahre Allergie : Clemens von Pirquet -sein Allergiebegriff und das ihm zugrunde liegende Krankheitsverständnis. Teil 2: Der Pirquet'sche Allergiebegriff

01 Dec 2006-Wiener Klinische Wochenschrift (Springer-Verlag)-Vol. 118, Iss: 19, pp 718-727

TL;DR: Der in der vorliegenden Publikation erstmals herausgearbeitete, samtliche Arbeiten Pirquets von 1903 bis 1929 durchziehende zentrale Gedanke, ist die Orientierung auf den Organismus and seine Reaktionsfahigkeit.

AbstractDer Wiener Kinderarzt Clemens von Pirquet (1874–1929) fuhrte ausgehend von seinen klinischen Studien auf dem Gebiet der Infektiologie und Immunologie im Jahr 1906 den Begriff "Allergie" ein. Er verstand darunter ganz allgemein eine Veranderung der Reaktionsfahigkeit des Organismus, und zwar in zeitlicher, quantitativer und qualitativer Hinsicht. Im Gegensatz zur heute verbreiteten Verwendung des Allergiebegriffs, wo er auf immunologisch vermittelte, spezifische Uberempfindlichkeitsreaktionen gegen harmlose Umweltsubstanzen beschrankt ist, umfasst Allergie bei Pirquet als allgemeiner und ubergeordneter Begriff gleichermasen Steigerungen und Verminderungen der Reaktionsfahigkeit und damit sowohl "Uber-" als auch "Unterempfindlichkeitsreaktionen". Im Zusammenhang mit der Ausweitung des Allergiebegriffs auf die Disposition des Menschen wies Pirquet darauf hin, dass die Anderung der Reaktionsfahigkeit nicht nur von auseren Substanzen (sog. Allergenen), sondern auch von inneren, organismuseigenen Faktoren abhangt. – Der in der vorliegenden Publikation erstmals herausgearbeitete, samtliche Arbeiten Pirquets von 1903 bis 1929 durchziehende zentrale Gedanke, ist die Orientierung auf den Organismus und seine Reaktionsfahigkeit. Er bildet den eigentlichen Kern seiner Allergielehre.

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Introduction

  • 1007/s00508-006-0712-0 100 Jahre Allergie: Clemens von Pirquet – sein Allergiebegriff und das ihm zugrunde liegende Krankheitsverständnis Teil 2: Der Pirquet’sche Allergiebegriff Benedikt Huber Medizinische Universitäts-Kinderklinik Bern, Bern, Schweiz Eingegangen am 3. April 2006, angenommen nach Revision am 9.
  • „Es ist nicht nur ein hoher Genuss, den Gedankengängen eines Großen zu folgen, das Bild seiner Persönlichkeit aufstrahlen zu lassen, sondern es ist eine wichtige Anregung zu eigener Kreativität, wenn man das Gewordene versteht.“ [1].

Der Allergiebegriff 1906

  • Mit einem kurzen Artikel in der Münchner medizinischen Wochenschrift vom 24.
  • Der Begriff „Allergie“ bringt die veränderte Reaktionsfähigkeit zum Ausdruck, „die Abweichung von der ursprünglichen Verfassung, von dem Verhalten des Normalen“ [15].
  • Erkennbar an der veränderten klinischen Erscheinung der Reaktion Diese Aufstellung Pirquets macht deutlich, dass er den Allergiebegriff ganz allgemein dachte und als übergeordneten Begriff verstand, der grundsätzlich sämtliche Änderungen der Reaktionsfähigkeit mit einschließt, also known as Qualitativ veränderte Reaktionsfähigkeit.
  • Es handelt sich dabei nach Pirquets eigenen Worten um „Einzelfälle der Allergie“, welche auf einer besonderen Veränderung der Reaktionsfähigkeit in eine bestimmte „Richtung“ beruhen [20].

Erweiterung des Allergiebegriffs 1929

  • Die bis hierher vorgebrachten Ausführungen zur Erläuterung des Pirquet’schen Allergiebegriffs entsprechen der Auffassung, die Pirquet in einem Aufsatz über die Geschichte der Allergie aus dem Jahr 1927 [31] vertrat.
  • Der Begriff Allergie (veränderte Reaktionsfähigkeit), den Pirquet aus den Erscheinungen der Serumkrankheit, der Vakzination oder verschiedener Infektionskrankheiten heraus entwickelte, ist letztlich auch in den statistisch beobachteten Erscheinungen der altersabhängigen Krankheitsverläufe enthalten.
  • Das ist eine Frage, die wir heute noch gar nicht beantworten können.
  • Pirquet war sich offensichtlich durchaus bewusst über die Tatsache, dass sich die Alters- und Geschlechtsabhängigkeit der Krankheiten nicht allein durch Veränderungen der immunologischen Reaktionsfähigkeit erklären lassen.
  • Die Reaktionsfähigkeit und die Allergie, die sich auf die Krankheitsdisposition auswirkende Änderung derselben, werden dementsprechend nicht nur von äußeren, sondern auch von inneren Faktoren bestimmt.

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718
Geschichte der Medizin
WIENER KLINISCHE
WOCHENSCHRIFT
The Middle European Journal
of Medicine
Printed in Austria
Wien Klin Wochenschr (2006) 118/23–24: 718–727
DOI 10.1007/s00508-006-0712-0
100 Jahre Allergie: Clemens vonPirquet – seinAllergiebegriff 
und das ihm zugrunde liegende Krankheitsverständnis
Teil 2: Der Pirquet’sche Allergiebegriff
Benedikt Huber
Medizinische Universitäts-Kinderklinik Bern, Bern, Schweiz
Eingegangen am 3. April 2006, angenommen nach Revision am 9. August 2006
© Springer-Verlag 2006
„Es ist nicht nur ein hoher Genuss,
den Gedankengängen eines Großen zu folgen,
das Bild seiner Persönlichkeit aufstrahlen zu lassen,
sondern es ist eine wichtige Anregung zu eigener
Kreativität, wenn man das Gewordene versteht.“ [1]
Einleitung
Nach der Darstellung von Leben und Werk Pirquets
im ersten Teil dieser Arbeit [2] widmet sich der vorlie-
gende zweite Teil vor allem dem Allergiebegriff Pirquets
und dessen Entwicklung auf dem Boden seiner entschei-
denden wissenschaftlichen Vorarbeiten. Dieser weicht in
seiner ursprünglichen Bedeutung erheblich von dem in
der heutigen Medizin verwendeten Allergiebegriff ab.
Um Missverständnisse und Widersprüche zu vermeiden,
wird der umfassende Allergiebegriff im Sinne Pirquets in
dieser Arbeit deshalb als „Pirquet’scher Allergiebegriff“
bezeichnet.
Die Vorarbeiten (1901–1906) – Der Organismus 
im Zentrum neuer Theorien
Überblickt man das gesamte wissenschaftliche Werk
Pirquets, dann erkennt man, dass seine „Allergiefor-
schung nicht erst mit der Einführung des Allergiebe-
griffs im Jahr 1906 beginnt. Der von ihm geschaffene
Begriff „Allergieund das damit verbundene Immuno-
logiekonzept sind das Ergebnis einer mehrjährigen For-
schungstätigkeit im Bereich der Infektiologie und Im-
munologie, welche von zwei Seiten her beeinflusst war:
einerseits (von außen) durch die aktuellen Strömungen
der medizinischen Wissenschaft am Übergang vom 19.
zum 20. Jahrhundert und andererseits (von innen) durch
die bereits im ersten Teil dieser Arbeit beschriebene
besondere Forschungsweise Pirquets. Bedeutende Fort-
schritte auf dem Gebiet der Bakteriologie durch Persön-
lichkeiten wie Pasteur, Koch, Ehrlich und Escherich
sowie wichtige immunologische Entdeckungen beson-
ders durch die Physiologen Richet, Portier und Arthus
kennzeichneten das medizinisch-wissenschaftliche Mi-
lieu der damaligen Zeit [3]. Davon geprägt wendete sich
Pirquet zunächst der Erforschung der Infektionskrank-
heiten zu und entschied sich damit für die damals mo-
dernste Richtung der Pädiatrie, den bakteriologisch-im-
munologischen Zweig. Mit seinen richtungweisenden
Arbeiten auf diesem Gebiet trug er entscheidend dazu
bei, dass Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts inter-
nationales Zentrum modernster immunbiologischer For-
schung[4] wurde.
Den Ausgangspunkt seiner wissenschaftlichen Stu-
dien bildeten verschiedene Beobachtungen von unter-
schiedlichen Verläufen infektiöser und nicht-infektiöser
Erkrankungen am Krankenbett. Diese vertiefte Pirquet
durch gezielte klinische Experimente, in deren Rahmen er
sich intensiv mit Fragen zur Inkubationszeit, zu Infek-
tionstheorien, zu den Vorgängen bei der Vakzination und
Revakzination und besonders zu den Ursachen unter-
schiedlicher Verläufe und Ausprägungen von Krankheits-
erscheinungen beschäftigte. Dies fand seinen Niederschlag
in zahlreichen Publikationen, unter anderem „Zur Theorie
der Inkubationszeit“ [5, 6], „Zur Theorie der Vakzination“
[7], „Zur Frage des Aggressins“ [8], „Über die frühzeitige
Reaktion der Schutzpockenimpfung“ [9] oder zum Thema
„Überempfindlichkeit und beschleunigte Reaktion“ [10].
Gemeinsam mit seinem engen Mitarbeiter und Freund
Bela Schick beschrieb Pirquet die „Serumkrankheit“ [11]
und erarbeitete die Grundlagen zur Tuberkulinreaktion
[12]. Diese Arbeiten lieferten ganz wesentliche Beiträge
zur Aufklärung pathophysiologischer Zusammenhänge
und können zu den Pionierleistungen der modernen Im-
munologie gerechnet werden.
Sämtliche Untersuchungen aus dieser Zeit zielten
darauf ab, zu einem vertieften Verständnis der beobacht-
baren klinisch-pathologischen Krankheitserscheinungen
zu kommen. Der Schlüssel dafür lag für Pirquet in der
Reaktionsfähigkeit des Organismus, welche er von Be-
ginn an ins Zentrum seiner Betrachtungen rückte. Die
Beobachtung, dass Personen beim wiederholten Kontakt
mit einem Fremdkörper anders reagieren als solche, die
zum ersten Mal damit in Berührung kommen, veranlasste

719Huber, 100 Jahre Allergie: Clemens von Pirquet
Pirquet, von der normalen Reaktion zunächst eine be-
schleunigte, eine verstärkte und eine Sofortreaktion zu
unterscheiden, bevor er dann im Jahr 1906 den Begriff
„Allergie“ schuf, um damit ganz allgemein die zeitlich,
quantitativ und/oder qualitativ veränderte Reaktionsfä-
higkeit des Organismus zu bezeichnen. Die Erkenntnis
von der Veränderbarkeit der Reaktionsfähigkeit ist das
hervortretende Motiv, das sämtliche Arbeiten durchzieht,
die der Einführung des Allergiebegriffs vorausgingen. Ihr
liegt der zentrale Gedanke zugrunde, dass dem Organis-
mus selbst eine entscheidende Rolle im Krankheitsge-
schehen zukommt. Pirquet mag nicht der erste gewesen
sein, der auf die Bedeutung des menschlichen Organis-
mus bei der Entstehung von (Infektions-) Krankheiten
hingewiesen hat. Es muss jedoch als seine große Leis-
tung gewürdigt werden, gerade in einer Zeit die Auf-
merksamkeit auf den Organismus und seine Reaktions-
fähigkeit gerichtet zu haben, in der man aufgrund großer
Fortschritte in der bakteriologischen und infektiolo-
gischen Forschung vielfach die Ansicht vertrat, dass die
gefundenen mikrobiellen Krankheitserreger und auch an-
dere Fremdsubstanzen (z.B. Toxine, Serum etc.) alleine
für die durch sie hervorgerufenen Krankheitserschei-
nungen verantwortlich seien. Pirquet stellte sich mit sei-
ner Auffassung gegen diese einseitige Haltung und konn-
te damit zu einer ganz entscheidenden Veränderung der
Perspektive beitragen. Sie rückte zum einen die Pathoge-
nese der Infektionskrankheiten in ein anderes Licht und
gab ihrer Pathologie dadurch eine neue Grundlage, zum
anderen konnte er auf diese Weise die medizinische For-
schung auch auf vielen anderen Gebieten nachhaltig be-
fruchten. Mit der Orientierung auf den Organismus kri-
stallisiert sich bereits in einer seiner frühesten Arbeiten
aus dem Jahr 1903 [5, 6] ein wesentlicher Grundgedanke
heraus, der dem gesamten, im Weiteren entwickelten
Allergiekonzept zugrunde liegt und sich bis in die letzten
Arbeiten über die Allergie des Lebensalters [13, 14] hin-
ein fortsetzt.
Der Allergiebegriff 1906
Mit einem kurzen Artikel in der Münchner medizi-
nischen Wochenschrift vom 24. Juli 1906 [15] führte Pir-
quet den Begriff „Allergie“ offiziell in die medizinische
Fachwelt ein. Das erste Mal allerdings, dass dieser damals
völlig neuartige Ausdruck überhaupt in einer wissen-
schaftlichen Publikation auftauchte, war bereits zwölf
Tage früher in einem Artikel in der Wiener klinischen
Wochenschrift [9], wo Pirquet den Leser in einer unauf-
fälligen Fußnote auf seine demnächst erscheinende Habi-
litationsschrift mit dem Titel Klinische Studien über
Vakzination und vakzinale Allergie [16] hinwies, ohne
auf den bis dahin unbekannten Begriff näher einzuge-
hen.
Der Grund für die neue Wortschöpfung war Pirquets
Bedürfnis nach einem allgemeinen Ausdruck zur Beschrei-
bung des Phänomens der veränderten Reaktionsfähigkeit
des Organismus. Alle bisherigen Termini schienen ihm nur
eine einseitige Bedeutung zu haben, er dagegen hielt es für
das Wichtigste, einmal ohne vorgefasste Meinung die kli-
nische Änderung der Reaktionsfähigkeit zu studieren. Der
Begriff Allergie war damit zunächst ein rein klinischer
Ausdruck „ohne jedes bakteriologische, pathologische
oder biologische Vorurteil“ [17]. Pirquet wies in seinen
Ausführungen von 1908 darauf hin, dass der zugrunde
liegende Mechanismus von Erscheinungen wie Immunität
oder verstärkter Empfindlichkeit die medizinische Wissen-
schaft bereits seit einem halben Jahrhundert beschäftigen
würde. „Die großen Entdeckungen welche diesbezüglich
in der Erkenntnis der pathogenen Bakterien, sowie der
Formelemente und der löslichen Stoffe des Blutes gemacht
worden sind, haben aber die Aufmerksamkeit hauptsäch-
lich auf die mikroskopische und tierexperimentelle Be-
obachtungsweise gelenkt, während die klinische verhält-
nismäßig vernachlässigt wurde.[17] Aus letzterer heraus
entwickelte Pirquet seinen neuen Begriff.
Die ursprüngliche Einführung des Allergiebegriffs
sei hier im originalen Wortlaut wiedergegeben: (…) Wir
Abb. 1. Serumkrankheit: normalzeitige Reaktion nach erster, sofortige Reaktion nach zweiter Seruminjektion (aus: von Pirquet
C
[1908] Allergie. Ergeb Inn Med Kinderheilkd 1: 420–464)

720 Huber, 100 Jahre Allergie: Clemens von Pirquet
brauchen ein neues, allgemeines, nicht präjudizierendes
Wort r die Zustandsänderung, die der Organismus
durch die Bekanntschaft mit irgend einem organischen,
lebenden oder leblosen Gifte erfährt. Der Geimpfte ver-
hält sich gegenüber der Lymphe, der Luetische gegen-
über dem Syphilisvirus, der Tuberkulöse gegenüber dem
Tuberkulin, der mit Serum Injizierte gegenüber dem Se
-
rum anders als ein Individuum, welches mit dem betref-
fenden Agens noch nicht in Berührung gekommen ist; er
ist deswegen noch weit entfernt, unempfindlich zu sein.
Alles was wir von ihm sagen können, ist, dass seine
Reaktionsfähigkeit geändert ist. Für diesen allgemeinen
Begriff der veränderten Reaktionsfähigkeit schlage ich
den Ausdruck Allergie vor. Allos bezeichnet die Abwei-
chung von der ursprünglichen Verfassung, von dem Ver-
halten des Normalen, wie in Allorhythmie, Allotropie.
Der Geimpfte, der Tuberkulöse, der mit Serum Injizierte
werden den respektiven Fremdkörpern gegenüber aller-
gisch. (…)“ [15]
Pirquet kreierte den Ausdruck „Allergie“ aus den
griechischen Wörtern „allos“ und „ergon“. „Allos“ bedeu-
tet „anders“ und „ergon“ steht unter anderem für „Tätig-
keit, Verrichtung, Handlung“, d.h. für aktive Vorgänge
[18, 19]. „Mit dem Wort Ergeia ist der Begriff der aktiven
Reaktionsfähigkeit betont.“ [20] Aufgrund seiner kli-
nischen Beobachtungen und theoretischen Überlegungen
war für Pirquet die Tatsache entscheidend, dass sich der
Organismus selbst aktiv am Krankheitsgeschehen betei-
ligt, dass er selbst wirksam ist und durch seine Tätigkeit
(Reaktion auf Krankheitsauslöser) das klinisch-patholo-
gische Erscheinungsbild mitbestimmt. Der Begriff „Al-
lergie bringt die veränderte Reaktionsfähigkeit zum
Ausdruck, „die Abweichung von der ursprünglichen Ver
-
fassung, von dem Verhalten des Normalen“ [15]. Dabei
verstand Pirquet unter „normal“ den Zustand eines Orga-
nismus, der mit der betreffenden Substanz noch nicht in
Berührung gekommen ist, wie beispielsweise der Erst-
vakzinierte mit dem Impfstoff, und unterschied in diesem
Sinn eine normale („normergische“ [21]) von einer aller-
gischen Reaktion.
Pirquet unterteilte die allergischen Reaktionen nach
verschiedenen Gesichtspunkten. Entsprechend seiner De-
finition, die er in dieser Form erstmals 1908 gab [17],
umfasst Allergie folgende Teilphänomene:
I. Zeitlich veränderte Reaktionsfähigkeit:
1. Frühreaktion (sofortige Reaktion innerhalb
24 Stunden)
2. Torpide Frühreaktion (am 2.–4. Tag)
3. Beschleunigte Reaktion (am 4.–6. Tag)
II. Quantitativ veränderte Reaktionsfähigkeit:
1. Verstärkte Reaktionsfähigkeit (Überempfindlich-
keit, paradoxe Reaktion, Anaphylaxie)
2. Abgeschwächte Reaktionsfähigkeit (Unteremp-
findlichkeit)
3. Aufgehobene Reaktionsfähigkeit (Unempfind-
lichkeit, Immunität)
III. Qualitativ veränderte Reaktionsfähigkeit:
Erkennbar an der veränderten klinischen Erschei-
nung (Manifestation) der Reaktion
Diese Aufstellung Pirquets macht deutlich, dass er
den Allergiebegriff ganz allgemein dachte und als über-
geordneten Begriff verstand, der grundsätzlich sämtliche
Änderungen der Reaktionsfähigkeit mit einschließt. Aus-
drücke wie „Überempfindlichkeit“ oder „Anaphylaxie“
sind mit dem der Allergie nicht identisch. Es handelt sich
dabei nach Pirquets eigenen Worten um „Einzelfälle der
Allergie“, welche auf einer besonderen Veränderung der
Reaktionsfähigkeit in eine bestimmte „Richtung“ beruhen
[20]. Eine Einschränkung des Allergiebegriffs auf eine
bestimmte Richtung, wie es bei seiner heutigen Verwen-
dung der Fall ist, wird dem Allergiebegriff im ursprüng-
lichen (Pirquet’schen) Sinn daher nicht gerecht. Zu be-
merken ist an dieser Stelle auch, dass sich Pirquet damit
eindeutig aussprach, wie andere Begriffe (z.B. Anaphyla-
xie) zu seinem Allergiebegriff stehen. Was er auf diese
Weise eigentlich geklärt hatte, wurde von vielen nach ihm
nicht übernommen, weshalb das Problem der begrifflichen
Verwirrung in der „allergischen“ Nomenklatur bestehen
blieb/bleibt.
Abb. 2.  „Allergie“ (aus: von Pirquet C [1906] Allergie. Münch
Med Wochenschr 53: 1457–1458)

721Huber, 100 Jahre Allergie: Clemens von Pirquet
Mechanismusder Allergie
Obwohl Pirquet von der klinischen Betrachtung aus-
ging, war es ihm selbst sehr daran gelegen, die der Aller-
gie zugrunde liegenden Mechanismen aufzuklären. Er
beschränkte sich dabei auf seine klinischen Experimente
u.a. mit der Serumtherapie, der Vakzination und der Tu-
berkulinreaktion, bezog zum Verständnis und zur Erklä-
rung seiner Beobachtungen aber auch die aus der mikro-
biologischen, immunologischen und tierexperimentellen
Forschung stammenden Ergebnisse mit ein. „(…) Der
Standpunkt der Allergie bewirkte, dass wir unser Haupt-
augenmerk auf die klinischen Veränderungen der Reaktion
legten ohne Rücksicht, ob sich darin ein Schutz des Or-
ganismus aussprach, oder ob andere Verhältnisse zutage
treten. Zum Teile betrachteten wir alte Tatsachen in neuem
Licht, zum anderen Teile aber kamen eben durch diese
Forschungsweise neue Phänomene zutage, die wir haupt-
sächlich nach klinischer Richtung zu analysieren trachte-
ten. Das Schema, das wir an alle Krankheiten anlegten,
war die theoretische Einteilung des Allergiebegriffs, der
veränderten Reaktionsfähigkeit nach Zeit, Quantität und
Qualität.“ [22]
Mit dem Begriff „Allergie“ beschrieb Pirquet die
Zustandsänderung, die der Organismus durch die Be-
kanntschaft mit irgend einem (…) Gifte erfährt[15] und
brachte damit sprachlich zum Ausdruck, was er aus seinen
klinischen Beobachtungen folgerte, nämlich eine Reak-
tionsänderung als Folge einer „Bekanntschaft“ des Orga-
nismus mit einem Fremdkörper, z.B. durch Vorbehand-
lung, vorausgehende Infektion mit demselben Erreger
oder Vakzination. Die Problematik dieser und anderer
Aussagen Pirquets zu diesem entscheidenden Punkt der
Allergielehre besteht darin, dass aus ihnen nicht eindeutig
hervor geht, von wem oder was die Änderung der Reak-
tionsfähigkeit bewirkt wird. Sie bergen damit in sich die
Gefahr von Missverständnissen. Wenn der Organismus
eine Zustandsänderung „erfährt“, wenn seine Reaktions-
fähigkeit geändert/verändert ist“, dann könnte das auch
in dem Sinn aufgefasst werden, dass an dem ganzen Pro-
zess der Reaktionsfähigkeitsänderung der Organismus
selbst nur passiv beteiligt ist. Letztlich muss aber festge-
stellt werden und diesbezüglich liefert die moderne
Immunologie die nötige Erkenntnisgrundlage –, dass der
Organismus tatsächlich selbst aktiv für die Reaktions-
änderung verantwortlich ist. Der Kontakt mit dem Fremd-
körper stellt den Anlass („Auslöser“) dafür dar, im Rah-
men der Auseinandersetzung mit demselben ändert der
Organismus seine Reaktionsfähigkeit.
Man darf wohl davon ausgehen, dass sich Pirquet
selbst im Klaren war über die Tatsache, dass der Organis-
mus die Änderung seiner Reaktionsfähigkeit aktiv voll-
zieht. Einerseits sprach er von einer aktiven Reaktions-
fähigkeit“ [20] des Organismus, zum anderen sah er die
Allergie im Zusammenhang mit der „Antikörperbildung“
[17] und diese ist zweifelsfrei eine aktive Leistung des-
selben. Hinzu kommt, dass die Gesamtauffassung, die
Pirquet in seinen Arbeiten über das Allergiethema vertrat,
von der Orientierung auf den Organismus und dessen
aktive Rolle im Krankheitsgeschehen geprägt ist. Dass
Pirquet dies nicht ausdrücklicher formulierte, mag an sei-
ner Betrachtungsweise liegen. Durch seine klinischen Be-
obachtungen nahm er im Prinzip lediglich das Ergebnis
der Reaktionsfähigkeitsänderung wahr und nicht den Pro-
zess der Veränderung direkt. Dies nnte seine Aus-
drucks- und Darstellungsweise erklären. Die in diesem
Zusammenhang zwangsläufig auftretende und für das Ge
-
samtverständnis letztlich unumgängliche Frage nach dem
Wesen des Organismus geht weit über die Allergielehre
Pirquets hinaus und kann hier darum nur angesprochen
werden.
Den Ausführungen dieser frühen Jahre ist zu entneh-
men, dass für Pirquet die Änderung der Reaktionsfähig-
keit vom Kontakt mit einem äußeren Faktor abhing. Das
muss betont werden, da die im Jahr 1929 vorgenommene
Erweiterung des Allergiebegriffs gerade diesen Punkt be-
trifft (s.u.). Die äußeren Faktoren (Fremdkörper), welche
den Organismus durch ein- oder mehrmalige Einverlei-
bung zu einer Veränderung der Reaktivität veranlassen,
bezeichnete Pirquet als „Allergene“. „Der Ausdruck ist
(…) an die Bezeichnung Antigen angelehnt, welcher eine
Substanz bedeutet, die Antikörper zu erzeugen vermag.
Der Begriff Allergen reicht weiter: Außer den Antigenen
gehören zu den Allergenen die zahlreichen Eiweißkörper
welche keine Antikörperbildung, aber Überempfindlich-
keit verursachen. Allergene sind alle Erreger von Infek-
tionskrankheiten, die von Immunität gefolgt sind; zu den
Allergenen werden auch die Gifte von Mücken und Bie-
nen zu rechnen sein, insoweit hiernach Erscheinungen von
Unter- oder Überempfindlichkeit auftreten. Aus dem
Grund werden wir auch die Pollen des Heufiebers, die
Urtikaria erzeugenden Substanzen der Erdbeeren und
Krebse, wahrscheinlich auch eine Reihe organischer Sub-
stanzen, welche zu Idiosynkrasien führen, unter diesem
Namen vereinigen können.“ [15] Wie der Allergiebegriff
war demnach auch der Ausdruck „Allergen“ ein ganz
umfassender, der von harmlosen Umweltsubstanzen bis zu
Infektionserregern reichte.
Nach der Auffassung Pirquets über die Entstehung
der Krankheitserscheinungen wirkte der Krankheitserre-
ger/-auslöser („Allergen“ nach Pirquet) nicht unmittelbar
auf den Organismus, sondern musste erst verändert wer-
den, um wirksam zu sein. Die Veränderung des Aller-
gens erfolgt durch spezifische, antikörperartige Reaktions-
produkte, die der Organismus auf den Reiz des Allergens
hin bildet.“ [17] Pirquet ließ es dahingestellt, wie man
sich diese Veränderung vorzustellen habe und betonte
hauptsächlich, dass der Zeitpunkt, wo Antikörper und An-
tigen zusammentreten, auch der Zeitpunkt sei, an dem
sich die klinischen Krankheitserscheinungen manifestie-
ren würden. Dass die Erscheinungen durch antikörper-
artige Reaktionsprodukte bedingt sein könnten, hatten
Pirquet und Schick hauptsächlich aus den zeitlichen Ana-
logien zwischen Antikörperbildung und der Ausbildung
der Allergie geschlossen.
Entscheidend ist, dass der von Pirquet häufig ge-
brauchte Begriff „Antikörper“ nicht mit der heutigen, ein-
deutig definierten Bedeutung (Immunglobulin) gleich ge-
setzt werden darf. Und auch das, was er unter Antigen-
Antikörper-Reaktion verstand, ist nicht mit der entspre-
chenden modernen Vorstellung identisch bzw. darauf be-
schränkt. Pirquet wies selbst wiederholt darauf hin, dass
die echte Natur der „Antikörper“ noch nicht geklärt sei
und verwendete deshalb stellvertretend regelmäßig auch

722 Huber, 100 Jahre Allergie: Clemens von Pirquet
verschiedene andere, weniger definierte Ausdrücke (z.B.
„Reaktionsprodukte des betroffenen Organismus“ [5]).
Teilweise bezeichnete er sie auch als „Ergine“ [17], wobei
sich dieser Begriff weder durchgesetzt noch lange Zeit
gehalten hat. Das, was Pirquet damit allerdings ausdrü-
cken wollte, ist auch aus heutiger Sicht noch gültig. Für
ihn war das Ergin „die Substanz, welche im Organismus
Trägerin der Allergie ist“. „Ich verstehe unter Ergin die-
jenige hypothetische Substanz, welche die klinische Wir-
kung des Allergens auf den Organismus vermittelt.“ Und
weiter: „Ich verstehe darunter Körper, welche bei der
klinischen Reaktionsfähigkeit des Organismus intervenie-
ren, ohne dass ich vor der Hand einen bestimmten che-
mischen oder biologischen Charakter an den Namen
knüpfe.“ [17] Diese Aussagen können die grundsätzliche
Haltung Pirquets verdeutlichen und zeigen, dass seine
Vorstellungen über den Mechanismus der Allergie durch-
wegs einen hypothetischen Charakter haben. Er brachte
offen zum Ausdruck, dass es fraglich sei, ob man die
verschiedenen Anzeichen der Allergie auf „einheitliche
Körper zurückführen könne. „Ich glaube nämlich, dass
die genaue Erforschung der Allergie bei den verschie-
denen Prozessen sehr komplizierte und ungleichartige
Verhältnisse aufdecken wird.“ [17] Damit wies Pirquet
weit in die Zukunft und vermied zu einem Zeitpunkt, an
dem die immunologischen Vorgänge noch weitestgehend
unbekannt waren, explizit eine zu festgefahrene Definition
oder Erklärung des zugrunde liegenden Mechanismus.
Seinem Standpunkt als klinischer Forscher wurde diese
Haltung absolut gerecht. Aus Sicht der modernen Immu-
nologie ist mittlerweile natürlich geklärt, dass nicht alle
von ihm beschriebenen Prozesse auch tatsächlich durch
Antikörper (Immunglobuline) vermittelt werden. So liegt
beispielsweise der Tuberkulinreaktion eine zelluläre Im-
munreaktion zugrunde, wobei die „Wirkung“ der beteilig-
ten Zellen ohne weiteres der Pirquet’schen Vorstellung
von „Antikörpern“ entspricht. Der Antikörperbegriff Pir-
quets umfasst demnach neben den heutigen Immunglobu-
linen auch die Zellen des Immunsystems (insb. T-Lym-
phozyten) und ist damit weder auf das humorale noch auf
das zelluläre Teilsystem beschränkt.
Diagnostische Verwertung derAllergie
Noch mehr als an der Aufklärung der zugrunde lie-
genden Mechanismen war Pirquet als Kliniker an der
praktischen Verwertung der Kenntnisse allergischer Vor-
gänge interessiert. Die charakteristischen Erscheinungen,
welche ein Organismus, der eine Krankheit bereits durch-
gemacht hat, nach neuerlichem Einverleiben der betref-
fenden Krankheitserreger darbietet, bezeichnete er als
„Allergiereaktionen [23]. Ganz allgemein dienten sie
ihm zur Diagnose eines vorausgegangenen Allergenkon-
taktes.
Ein Paradebeispiel der diagnostischen Allergiereak-
tionen ist die kutane Tuberkulinreaktion, deren Methode
Pirquet von den Erfahrungen bei der Kuhpockenimpfung
ableitete. So wie das Auftreten einer frühzeitigen, papu-
lösen Reaktion nach dieser Impfung beweist, dass der
Organismus den Vakzinationsprozess schon einmal durch-
gemacht hat, beantwortet der tuberkulöse (d.h. der mit
Tuberkuloseerregern schon einmal infizierte) Organismus
in analoger Weise die kutane Impfung mit Tuberkulin
durch rasche Bildung einer Papel an der Impfstelle. Ein
Organismus, welcher noch nicht mit Tuberkulose in Be-
rührung gekommen ist, ist gegen Tuberkulin unempfind-
lich, er erwirbt die Empfindlichkeit oder Reaktionsfähig-
keit nur dadurch, dass er eine tuberkulöse Erkrankung
durchmacht. In der Natur geschieht dies nur infolge der
Infektion mit Tuberkelbazillen, artifiziell kann die Reak-
tionsfähigkeit auch durch Injektion abgetöteter Tuberkel-
bazillen oder ähnliche Maßnahmen erzeugt werden.“ [24]
Die Kutanreaktion ermöglichte es auf einfache Weise, das
biologische Verhalten des Organismus gegen Tuberkulo-
seerreger festzustellen. Eine positive Tuberkulinreaktion
weist auf das Vorhandensein von tuberkulösen Verände-
rungen bzw. auf eine früher durchgemachte Tuberkulose
hin, während eine negative Tuberkulinreaktion einen be-
stehenden oder früheren Kontakt mit den Tuberkulose-
erregern im Allgemeinen ausschließt. Mayerhofer, selbst
Schüler und Mitarbeiter Pirquets, bezeichnete später die
Tuberkulinprobe ganz im Sinne desselben als „eine biolo-
gische Frage an den Organismus, die biologisch beantwor-
tet wird und nur biologisch verstanden werden kann“
[25].
Aufgrund der Häufigkeit der Tuberkulose in der da-
maligen Zeit und der einfachen Handhabbarkeit dieses
Untersuchungsverfahrens erfuhr die Tuberkulinprobe nach
ihrer Einführung 1907 eine sehr weite Verbreitung und
verhalf Pirquet zu weltweiter Popularität. Im Zusammen-
hang mit dem Allergiebegriff ist die Tuberkulinreaktion
deswegen interessant, weil sie diesen an einem wohlbe-
kannten Phänomen eindrucksvoll illustriert, wozu auch
ihre charakteristischen Verläufe unter verschiedenen Be-
dingungen beitragen. Bei Untersuchungen mit der kutanen
Tuberkulinreaktion stellte Pirquet fest, dass diese unter
bestimmten Umständen trotz bestehender Tuberkulose ne-
gativ ausfallen kann. Sie bot Pirquet die einfache g-
lichkeit, durch tägliche Auslösung derselben die Reak-
tionsfähigkeit des Organismus kontinuierlich zu messen
und so ein zusammenhängendes Bild des Verlaufs der
„tuberkulösen Allergie“ zu erhalten [26]. Auf diese Weise
konnte er zeigen, dass die Reaktion bei kachektischen
Individuen im letzten Stadium der Tuberkulose und „sehr
häufig in den letzten zehn Lebenstagen von Kindern mit
Miliartuberkulose und Meningitis tuberculosa“ erlischt
[22]. Daneben beobachtete Pirquet das komplette Ver-
schwinden der Reaktionsfähigkeit auch im Rahmen der
Maserninfektion, was er eingehend studierte [27, 28].
Das charakteristische Verhalten der kutanen Tuberku-
linreaktion hrend der Masern, das auch in späteren,
systematisch angelegten Studien immer wieder bestätigt
werden konnte (z.B. [29]), ist durch eine deutliche Ab-
schwächung der Reaktion in den Tagen vor Ausbruch des
Masernexanthems, eine völlige Reaktionslosigkeit wäh-
rend der Exanthemphase und ein Zunehmen der Reak-
tionsfähigkeit nach Überstehen der Masern gekennzeich-
net. Die Zeit der „mangelhaften Reaktionsfähigkeit des
Organismus (Anergie)“ bezeichnete Pirquet als „aner-
gische Periode“ [28] und brachte die nachweisbare Reak-
tionsverminderung im Verlauf der Maserninfektion mit
der Erfahrungstatsache zusammen, dass der tuberkulöse
Prozess während der Masern sehr häufig an Ausbreitung
gewinnt. Zudem machte er die Reaktionslosigkeit bzw.

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Journal ArticleDOI
02 Aug 2012-Entropy
TL;DR: It is proposed that a sufficient precondition for sudden death is lowered bioavailability of certain endogenous sterol sulfates, sulfated glycolipids, and sulfated Glycosaminoglycans, which are essential in maintaining biological equipose, energy metabolism, membrane function, and thermodynamic stability in living organisms.
Abstract: In reviewing the literature pertaining to interfacial water, colloidal stability, and cell membrane function, we are led to propose that a cascade of events that begins with acute exogenous surfactant-induced interfacial water stress can explain the etiology of sudden death syndrome (SDS), as well as many other diseases associated with modern times. A systemic lowering of serum zeta potential mediated by exogenous cationic surfactant administration is the common underlying pathophysiology. The cascade leads to subsequent inflammation, serum sickness, thrombohemorrhagic phenomena, colloidal instability, and ultimately even death. We propose that a sufficient precondition for sudden death is lowered bioavailability of certain endogenous sterol sulfates, sulfated glycolipids, and sulfated glycosaminoglycans, which are essential in maintaining biological equipose, energy metabolism, membrane function, and thermodynamic stability in living organisms. Our literature review provides the basis for the presentation of a novel hypothesis as to the origin of endogenous bio-sulfates which involves energy transduction from sunlight. Our hypothesis is amply supported by a growing body of data showing that parenteral administration of substances that lower serum zeta potential results in kosmotropic cationic and/or chaotropic anionic interfacial water stress, and the resulting cascade.

17 citations


Journal ArticleDOI
TL;DR: It is argued that immunology is founded on a view of the organism as a discrete, autonomous entity, and on a concomitant notion of the immune response as essentially reactive, and suggests that Pirquet's unique view of immune responsiveness presents an account of organismic or biological identity that encapsulates, rather than reduces, its ecological complexity.
Abstract: An allergy is commonly understood to be an overreaction of the immune system to harmless substances that are misrecognised as foreign. This concept of allergy as an abnormal, misdirected immune response-a biological fault-stems from the idea that the immune system is an inherently defensive operation designed to protect the individual through an innate capacity to discriminate between the benign and toxic, or self and nonself. However, this definition of allergy represents a radical departure from its original formulation. Literally meaning 'altered reactivity', the term was coined in 1906 by Austrian paediatrician Clemens von Pirquet, to describe the fundamentally mutable nature of the immune response. This paper argues that the conventional interpretation of allergy-as-pathology derives from specific concepts of 'organism', 'response', and 'normal' immune function that have-for over a century-governed the perception and study of immune phenomena within immunology. Through an examination of Louis Pasteur's conceptualisation of the host body/microorganism relationship, I argue that immunology is founded on a view of the organism as a discrete, autonomous entity, and on a concomitant notion of the immune response as essentially reactive. Revisiting the concept of 'altered reactivity', this paper points to the fact that allergy was initially posited as a general theory of immune responsiveness and, importantly, one that poses a significant challenge to orthodox notions of immunopathology. It suggests that Pirquet's unique view of immune responsiveness presents an account of organismic or biological identity that encapsulates, rather than reduces, its ecological complexity.

10 citations


Journal ArticleDOI
29 Jan 2017-parallax
TL;DR: In immunology, allergy and autoimmunity are recognised as some of the most common types of immunopathology, involving errors in the protective and self-regulatory mechanisms associated with tolerance and immunity.
Abstract: In immunology, allergy and autoimmunity are recognised as some of the most common types of immunopathology. Both are conventionally viewed as deviations or aberrations of normal immune function, in...

5 citations


DissertationDOI
27 Nov 2019
TL;DR: Whether peptides may serve as additional or alternative reagents in the in vitro diagnosis of legume allergy is determined and the influence of post-translational hydroxylation of proline residues in peanut Ara h 2 on the capacity to bind serum IgE and thus on the diagnostic value was additionally investigated on the peptide level.
Abstract: Legumes are an important source of high-value proteins and edible oils in the human diet. However, they are also a known and frequent source of severe allergic reactions to foods. Immediate-type allergic reactions are elicited by allergenic proteins (allergens), mediated by their interaction with the immune system via allergen-specific antibodies of the isotype immunoglobulin E (IgE). These specific IgE antibodies to total protein of the allergenic food, e.g. peanut, can be measured in vitro to diagnose an allergic sensitization. While specific IgE to total protein extracts indicates a sensitization, it is not necessarily a proof for clinical reactivity. In contrast, the measurement of specific IgE to selected allergen components, such as the peanut 2S albumin Ara h 2, has been proposed to improve the in vitro diagnostic specificity for a clinical reactivity. In this context, specific recognition patterns of IgE binding at the protein level, and further at the peptide level, may allow the development of advanced diagnostic approaches, and innovative therapeutic reagents. However, knowledge about the relevance of allergenic storage proteins, such as 2S albumins and 7S globulins, of the legumes peanut, pea and soybean and their IgE-binding peptides is in part controversial or limited. Therefore, this study aimed to determine the serum IgE binding of legume-allergic versus sensitized but clinically tolerant children to homologous 2S and 7S legume allergens from peanut, pea and soybean at the protein and peptide level. In this study, sera from legume-allergic as well as sensitized but clinically tolerant children with legume extract-specific IgE ≥ 0.35 kUA/L were included. Total protein extracts and recombinant 7S globulins and 2S albumins of peanut, pea, and soybean, respectively, were prepared. Afterwards, serum IgE binding to legume extracts and recombinant legume allergens was individually determined by means of densitometric immunoblot analysis. Overlapping peptides (15 AA; offset 4 AA) representing the full-length allergens were synthesized and analyzed for their ability to bind serum IgE on CelluSpotTM multipeptide microarrays. The influence of post-translational hydroxylation of proline residues in peanut Ara h 2 on the capacity to bind serum IgE and thus on the diagnostic value was additionally investigated on the peptide level. Potential candidate diagnostic peptides specific for peanut and pea allergy were identified, according to predefined selection criteria that were established in this study. Finally, the diagnostic value of the investigated recombinant legume allergens and of the potential candidate diagnostic peptides was determined as area under curve (AUC) by receiver operating characteristic (ROC) curve analysis. By doing so, it should be determined whether peptides may serve as additional or alternative reagents in the in vitro diagnosis of legume allergy. However, due to the very limited number of available and included soybean-allergic patients, soybean was excluded from a detailed analysis of candidate diagnostic peptides and ROC curve analysis. According to immunoblot analysis and the specific limit of detection, serum IgE of 48%, 79% and 50% of peanut-, pea- and soybean-allergic children bound to the 7S globulins rAra h 1, rPis s 1 and rGly m 5.03, respectively. Of the peanut-, pea- and soybean-sensitized but tolerant children 8%, 20% and 20% showed a serum IgE binding to the respective 7S globulins. The most striking difference between the three legumes could be observed regarding the relevance of the 2S albumins. In immunoblot analysis, 65% and 78% of peanut-allergic children showed a serum IgE binding to rAra h 2.01 and rAra h 2.02, respectively. In contrast, serum IgE of peanut-sensitized but tolerant patients did not bind to any of both Ara h 2 isoforms. Hence, the relevance and the diagnostic value of both 2S albumin isoforms, especially of rAra h 2.02, in peanut allergy were further highlighted. Based on immunoblot analyses, such clinical relevance of 2S albumins could not be found in pea and soybean. Here, negligible or no serum IgE binding to 2S albumins was detectable in pea- as well as soybean-allergic children. Based on the ROC curve analysis of the investigated recombinant proteins analyzed in immunoblot, rAra h 2.02 (AUC 0.86) and rPis s 1 (AUC 0.86) had the highest diagnostic value in peanut and pea allergy, respectively, also compared to the respective total legume protein extract. With regard to potential diagnostic peptides, two Ara h 2-derived peptide pairs (AUC 0.87-0.90) with a diagnostic value comparable to that of full-length rAra h 2.02 (AUC 0.86) could be identified for peanut allergy. Each of the two peptide pairs contains at least one peptide with hydroxylated proline residues. In addition, it could be observed that hydroxylation of proline residues in Ara h 2-derived peptides increased the sensitivity while maintaining the specificity which makes this post-translational modification an interesting target for future diagnostic approaches. Moreover, for pea allergy eleven candidate diagnostic peptides of Pis s 1 could be identified. Compared to pea extract and rPis s 1, the candidate peptides had, with an AUC of 0.99, the highest diagnostic value in this pea study population. In this pediatric study population, general differences in allergenic potency of the 2S and 7S storage proteins of the three investigated legumes were apparent. In peanut, Ara h 1 and Ara h 2 could be identified as relevant allergens. However, based on immunoblot analysis, the 2S albumin Ara h 2, in particular the isoform Ara h 2.02, was the most relevant allergen with the highest diagnostic value in this peanut study population. In contrast, in pea and soybean 2S albumins were excluded as relevant allergens in this study. In pea, the 7S globulin Pis s 1 was identified as a major and immunodominant allergen. A similar trend seemed to be observed for Gly m 5.03 and soybean, but due to the limited number of soybean-allergic patients included in this study, no further conclusions can be drawn. In addition, the investigation of IgE binding at the linear peptide level revealed that peptides with a diagnostic value that is comparable or even better than that of the respective full-length recombinant proteins could be identified. These peptides may potentially serve as additional or alternative reagents in the in vitro diagnosis of legume allergy; however, this requires verification in a prospective study. Moreover, based on this study, additional knowledge about relevant allergens and their IgE-binding sites was obtained. This knowledge can support the development of novel therapeutic reagents with improved characteristics. In this context, IgE binding to short peptides of allergens was investigated to localize IgE-binding sites in approximation to linear (continuous) IgE epitopes. It could be shown that linear IgE-binding epitopes of natural Ara h 2, as represented by a 27-mer peptide, still induced relevant mast cell degranulation. This finding underpins the potential relevance of linear IgE-binding sites with regard to total allergenic potency, and should thus be considered in the development of novel reagents for the immunotherapeutic treatment of peanut allergy as otherwise patients might be at high risk of unintended side effects. In addition, identified immunodominant IgE-binding sites of Pis s 1 may allow the development of hypoallergenic substitution variants for allergen-specific immunotherapy of pea allergy. The relevance of these findings with regard to efficacy and safety can be further addressed in preclinical models of peanut and pea allergy, respectively.

4 citations


Cites background from "100 Jahre Allergie : Clemens von Pi..."

  • ...In 1906, the pediatrician Clemens von Pirquet firstly described the term ‘allergy’ as a change in reactivity of the immune system comprising similarly hyper- and hyposensitivity reactions (Huber 2006)....

    [...]


Journal ArticleDOI
TL;DR: In der klinischen Ayurveda-Praxis in Deutschland hat sich gezeigt, dass die Behandlung auf dieser Grundlage haufig zu einer signifikanten Linderung allergischer Beschwerden fuhrt.
Abstract: Der modern definierte Begriff der Allergie findet in der traditionellen medizinischen Wissenschaft des Ayurveda keine direkte Entsprechung. Fur die therapeutische Praxis ist es sinnvoller, auf Basis der allgemeinen Symptomatik eine ayurvedische Einordnung vorzunehmen. Demnach konnen Allergien verschiedene Ursachen haben: individuelle Unzutraglichkeiten und Zutraglichkeiten, unzutragliche Nahrungsmittel, Agni-Schwache sowie eine Vielzahl individueller Faktoren wie die Grundkonstitution. Die ayurvedische Diagnosestellung und Behandlung erfolgt uber die genaue Einschatzung der individuellen Krankheitserscheinungen, der Konstitution und der psychischen Verfassung. Auf dieser Basis wird eine Therapiestrategie entwickelt, deren Ziel die Wiederherstellung der Selbstregulation des Organismus ist. Die mehrdimensionale Therapie setzt sich aus Empfehlungen zur richtigen Ernahrung, dem Einsatz von Gewurzen und pflanzlichen Arzneien sowie ggf. einer Pancakarma-Therapie zusammen. In der klinischen Ayurveda-Praxis in Deutschland hat sich gezeigt, dass die Behandlung auf dieser Grundlage haufig zu einer signifikanten Linderung allergischer Beschwerden fuhrt.

References
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01 Jan 1994
TL;DR: Cellular and molecular immunology , Cellular and molecular Immunology , کتابخانه الکرونیک و دیجیتال - آذرسا
Abstract: Cellular and molecular immunology , Cellular and molecular immunology , کتابخانه الکترونیک و دیجیتال - آذرسا

3,967 citations


Journal ArticleDOI
Abstract: Allergic Diseases and Their Treatment Allergic Rhinitis Allergic rhinitis is characterized by episodes of sneezing, itching, rhinorrhea, and nasal obstruction. Perennial allergic rhinitis should be distinguished from nonallergic, noninfectious forms of rhinitis, such as idiopathic (“vasomotor”) rhinitis, nonallergic rhinitis with eosinophilia syndrome, hormonal rhinitis, drug-induced rhinitis, and food-induced rhinitis. The treatment of allergic rhinitis (and other allergic diseases) consists of allergen avoidance (whenever possible and practical), antiallergic medication, and immunotherapy for specific allergens, which is also called hyposensitization or desensitization. Currently, the drugs usually used to treat allergic rhinitis are antihistamines and anticholinergic agents (for the relief of symptoms) and . . .

1,233 citations



Journal ArticleDOI
12 Jul 1996-Science
TL;DR: Cross-linking of CD46, a complement regulatory protein that is the cellular receptor for MV, with antibody or with the complement activation product C3b similarly inhibited monocyte IL-12 production, providing a plausible mechanism for MV-induced immunosuppression.
Abstract: The mechanisms underlying the profound suppression of cell-mediated immunity (CMI) accompanying measles are unclear. Interleukin-12 (IL-12), derived principally from monocytes and macrophages, is critical for the generation of CMI. Measles virus (MV) infection of primary human monocytes specifically down-regulated IL-12 production. Cross-linking of CD46, a complement regulatory protein that is the cellular receptor for MV, with antibody or with the complement activation product C3b similarly inhibited monocyte IL-12 production, providing a plausible mechanism for MV-induced immunosuppression. CD46 provides a regulatory link between the complement system and cellular immune responses.

538 citations


"100 Jahre Allergie : Clemens von Pi..." refers background in this paper

  • ...Diese Ergebnisse wurden 1996 in der Zeitschrift Science publiziert [30]....

    [...]


Journal ArticleDOI

317 citations


"100 Jahre Allergie : Clemens von Pi..." refers background in this paper

  • ...Er spekulierte, dass die Abnahme der tuberkulösen Allergie während der Masern „durch eine Absorption der Ergine“, „durch das Fehlen eines anderen zur Reaktion notwendigen chemischen Bestandteils oder durch die Anwesenheit eines hindernden Elements bedingt sein“ könnte [27, 28]....

    [...]

  • ...Daneben beobachtete Pirquet das komplette Verschwinden der Reaktionsfähigkeit auch im Rahmen der Maserninfektion, was er eingehend studierte [27, 28]....

    [...]