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Rezension von : Birgit Schneider / Thomas Nocke (Hrsg.) Image Politics of Climate Change : Visualizations, Imaginations, Documentations, Bielefeld: transcript, 2014

01 Jan 2015-Vol. 63, Iss: 2, pp 300-301

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CH-8057Zurich
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Year:2015
Rezensionvon:BirgitSchneider/ThomasNocke(Hrsg.)ImagePoliticsof
ClimateChange:Visualizations,Imaginations,Documentations,Bielefeld:
transcript,2014
Schäfer,MikeS
DOI:https://doi.org/10.5771/1615-634X-2015-2
PostedattheZurichOpenRepositoryandArchive,UniversityofZurich
ZORAURL:https://doi.org/10.5167/uzh-115629
JournalArticle
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Originallypublishedat:
Schäfer,MikeS(2015).Rezensionvon:BirgitSchneider/ThomasNocke(Hrsg.)ImagePoliticsof
ClimateChange:Visualizations,Imaginations, Documentations,Bielefeld:transcript,2014.Medien
Kommunikationswissenschaft,63(2):300-301.
DOI:https://doi.org/10.5771/1615-634X-2015-2

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Birgit Schneider / Thomas Nocke (Hrsg.)
Image Politics of Climate Change
Visualizations, Imaginations, Documentations
Bielefeld: transcript, 2014. – 388 S.
ISBN 978-3-8376-2610-0
Visuelle Darstellungen des Klimawandels sind
ein hochinteressanter Analysegegenstand – im-
merhin handelt es sich bei der globalen Erwär-
mung um ein schwer zugängliches Thema, das
durch Bilder (vermeintlich) einfacher verständ-
lich gemacht werden kann. Folgerichtig werden
in Wissenschaft und Massenmedien, online und
in der PR zahlreicher Akteure vielfältige Visua-
lisierungen des Phänomens verwendet: Da steht
etwa der Kölner Dom unter Wasser, wird Man-
hattan überschwemmt, balanciert der Eisbär auf
dem kümmerlichen Rest seiner Eisscholle.
Parallel hat auch die sozialwissenschaftliche
Analyse visueller Klimawandel-Kommunikati-
on an Fahrt gewonnen. Der Band „Image Poli-
tics of Climate Change“ – herausgegeben von
der Kunsthistorikerin und Medienwissen-
schaftlerin Birgit Schneider und dem Compu-
terwissenschaftler Thomas Nocke – reiht sich
in diese Forschungsaktivitäten ein. Kommuni-
kationswissenschaftlich interessant ist er, weil
er das Thema zwar aus Perspektive unter-
schiedlicher Fächer angeht, der Fokus aber auf
den gesellschaftlichen Effekten dieser Bild-
Kommunikation liegt. Denn die titelgebende
politische Dimension der Klima-Bilder sehen
Herausgeber und Autoren v. a. in deren per-
suasivem Potenzial und möglichen sozio-poli-
tischen Wirkungen.
Insgesamt machen die im Band versammel-
ten 16 Beiträge eindrucksvoll den Facetten-
reichtum des Gegenstandes deutlich – die the-
matisierten visuellen Darstellungen des Klima-
wandels umfassen US-amerikanische Luftauf-
nahmen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts
ebenso wie wissenschaftliche Diagramme oder
Pressefotografie. Zudem wird das breite Spek-
trum theoretisch-methodologischer Ansätze
sichtbar, das auf diese Visualisierungen angelegt
werden kann; von Inhalts- und Bildtypenana-
lysen über „visual framing“ und „viscourse ana-
lysis“ bis hin zu ästhetischen und „ikonologi-
schen“ Analysen.
Im Ergebnis sind sicherlich nicht all diese
Arbeiten unmittelbar anschlussfähig für die
Kommunikationswissenschaft. Einige von ih-
nen werden in unserem Fach nur wenig Wider-
hall finden – andere dafür aber (hoffentlich)
umso mehr.
Dies gilt einerseits für die Arbeiten, die sich
mit strategischer Bildkommunikation beschäf-
tigen. Diese finden sich vornehmlich in den ers-
ten beiden Blöcken des Bandes, in denen es um
den „epistemic value of visualization in climate
sciences” (27ff.) bzw. den „status of climate ex-
pert graphs in IPCC reports“ geht, mithin um
die strategische Außenkommunikation wissen-
schaftlicher Akteure. Dort beschreibt etwa Se-
bastian Vincent Grevsmühl (29ff.), wie NASA-
Wissenschaftler in Visualisierungen des Ozon-
lochs das diesem immanente Risiko besonders
betonten und so dazu beitrugen, entsprechen-
den Handlungsbedarf auf der politischen Ebene
zu verankern. Ähnlich zeigt Lynda Walsh
(81ff.) den Einsatz persuasiver Mittel bei der
Erstellung der berühmt-berüchtigten „Ho-
ckeystick“-Abbildung in der Klimawissen-
schaft. Und Martin Mahony und Mike Hulme
(105ff.) analysieren das „Burning Ember“-Dia-
gramm des Weltklimarates IPCC, das den Au-
toren zufolge vor allem deshalb große Bedeu-
tung in der Klimadebatte erlangte, weil es deu-
tungsoffen angelegt war und unterschiedlichen
Stakeholdern Interpretationsspielraum gab. Im
Gegensatz dazu nimmt sich Julie Doyle (225ff.)
die strategische Bild-Kommunikation von
Greenpeace vor – eines zentralen Akteurs der
globalen Klimadebatte und noch dazu eines
Akteurs, der besonderes Augenmerk auf visu-
elle Kommunikation legt. Kenntnisreich be-
schreibt Doyle, wie sich die Bild-Kommunika-
tion der NGO innerhalb der vergangenen 25
Jahre veränderte – von einer Fokussierung auf
die problematischen (und oftmals zugespitzten)
Folgen in den frühen 1990ern über die Beto-
nung der Ursachen bis hin zu denkbaren Lö-
sungen, die heute im Mittelpunkt der visuellen
Kommunikation der NGO stehen.
Andererseits gibt es lesenswerte Analysen
medial bzw. online verwendeter Klimawandel-
Bilder. Diese finden sich vor allem in den Blö-
cken 3 und 4 des Bandes – die „media and com-
munication scholars“ (S. 21) von den Heraus-
gebern auch besonders empfohlen werden.
Hierzu gehört Elke Grittmanns (237ff.) Typo-
logie printmedialer Klimawandel-Bilder. Kon-
zeptionell und methodologisch zwischen visual
framing und Bildtypenanalyse angesiedelt, ord-
net sie typische Visualisierungen entlang der
Entman’schen Differenzierung von Problem-
definition, Ursachendarstellungen und Lö-
sungsansätzen, und bricht diese jeweils noch in
Teildimensionen herunter, die in weiteren Ana-
lysen nutzbar gemacht werden können. Birgit
Schneider, Thomas Nocke und Georg Feulner
(153ff.) wenden sich gezielt den Bilddarstellun-
gen klimawandel-skeptischer Medien zu, die
sich v. a. in anglo-amerikanischen Ländern resp.
online finden. Diese codieren sie mit einem in-
M&K 63. Jahrgang 2/2015
300

http://dx.doi.org/10.5771/1615-634x-2015-2-300
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haltsanalytischen Instrumentarium, das unter-
schiedliche Grade von Verzerrungen – von
„correct representations“ über „misinterpreta-
tions“ bis hin zu „manipulations“ (v. a.
S. 165ff.) – zu erfassen versucht. Hier vermisst
der kommunikationswissenschaftliche Leser
Reliabilitätstests, und es bleibt der Verdacht,
dass die valide und trennscharfe Codierung die-
ser Dimensionen weniger einfach ist, als es die
klaren Befunde der Studie nahelegen. Dennoch
aber verleiht die Einführung dieser wertenden
Dimension der Analyse eine interessante Schär-
fe und Relevanz.
Auch darüber hinaus finden sich im Band
eine Reihe von Perspektiven und Befunden, die
inspirierend für Kommunikationswissen-
schaftler sein dürften, die sich für visuelle und/
oder für Klimawandel-Kommunikation inter-
essieren. Dies trifft beispielsweise auf den Bei-
trag von Thomas Nocke (55ff.) zu, der – ohne
die entsprechende Nomenklatur zu verwenden
– die visuelle Seite der Mediatisierung von Wis-
senschaft beschreibt: Er untersucht, wie sich
Datenvisualisierungen von einem eher der
Außenkommunikation dienenden und für die
wissenschaftliche Analyse selbst nahezu bedeu-
tungslosen Hilfsmittel zu einem Kernbestand-
teil klimawissenschaftlicher Arbeit im Rahmen
der „visual analytics“ (S. 62) entwickelt haben.
Diese wiederkehrenden anregenden Mo-
mente entschädigen denn auch dafür, dass an-
dere Aspekte nur wenig oder aus kommunika-
tionswissenschaftlicher Sicht in unbefriedigen-
der Weise thematisiert werden. Dies gilt insbe-
sondere für die Rezeption und die möglichen
persuasiven Wirkungen der vorgestellten Bil-
der, die für den Gesamtband und viele seiner
Einzelstudien letztlich zwar den Relevanz ge-
benden Fluchtpunkt darstellen, aber kaum
wirklich untersucht werden.
Mike S. Schäfer
Carsten Wünsch / Holger Schramm / Volker
Gehrau / Helena Bilandzic (Hrsg.)
Handbuch Medienrezeption
Baden-Baden: Nomos, 2014. – 450 S.
ISBN 978-3-8329-6610-2
Angesichts der Entwicklungen weg von der
(rein) rezeptiven hin zur (auch) produktiven
und – wenn man so will – partizipativen Medi-
ennutzung mitsamt sich verwischender Gren-
zen stellt sich schon die Frage, ob ein „Hand-
buch Medienrezeption“ nicht begrifflich aus
einer Perspektive startet, aus der heraus das ei-
gentlich Spannende aktueller Entwicklungen
ausgesperrt bleibt. Im kurzen Vorwort wird
Medienrezeption dann aber doch breit gefasst,
„da es um Fragen und Phänomene geht, welche
Rezipientinnen und Rezipienten betreffen und
mit ihrem Kontakt mit Medieninhalten einher-
gehen“ (S. 5). Den Kontakt sehen die drei Her-
ausgeber und die Herausgeberin nicht begrenzt
auf die eigentliche Nutzungssituation. Sie fol-
gen vielmehr dem Verständnis der DGPuK-
Fachgruppe „Rezeptions- und Wirkungsfor-
schung“, die „neben Prozessen der Wahrneh-
mung, Verarbeitung und Interpretation von
Medienangeboten auch Fragen der Zuwendung
und der Auswahl von Medien(-inhalten) und
deren Aneignung und Integration in die je ei-
gene Lebenswelt als relevant erachtet“ (ebd.).
In zentralen Punkten spiegelt sich dieses
ganzheitliche Verständnis auch in der Gesamt-
schau der 26, insgesamt 400 Seiten umfassenden
Beiträge zu den aktuellen Perspektiven und
Forschungsfeldern der Rezeptionsforschung
wider. In vier Kapiteln werden die Bereiche
Grundlagen der Rezeption, Selektion und Zu-
wendung, Phänomene und Erlebniswelten und
Kontexte der Rezeption näher beleuchtet. Mit
Blick auf den Anspruch, der an ein Handbuch
zu stellen ist, gefallen die Beiträge mit einer gu-
ten Lesbarkeit, oft auch dann, wenn sie in dich-
tes Terrain vorstoßen. Sie führen zunächst prä-
gnant ins Thema ein, entfalten dieses meist klar
strukturiert und in der gebotenen Differen-
ziertheit und bringen das Wesentliche am Ende
noch einmal auf den Punkt.
Wenn man den Menschen verstehen will,
muss man sich sein Denken, Fühlen und Han-
deln ansehen! Die ersten drei Beiträge in Kap. 1
folgen diesem Primat und entfalten die Themen
Kognition, Emotion und Handlung kompri-
miert und treffsicher in ihrer besonderen Be-
deutung für Rezeptionsprozesse. Dies gelingt
in aller Regel, ohne einer zu hohen Informati-
onsdichte zu erliegen, und mit nützlichen Ver-
weisen auf die anderen Beiträge im Handbuch,
die das kurz Angesprochene dann differenzier-
ter betrachten. Die Grundlagen der Rezeption
werden im vierten und letzten Beitrag noch um
die wichtige Ebene der Wahrnehmung und
Verarbeitung ergänzt. Unter dem Label Kanal-
spezifika wird hier auf zentrale Unterschiede
des Sehens, Hörens und Lesens von Informa-
tionen fokussiert.
In Kap. 2 umreißen sechs Beiträge gelungen
das Spektrum der Prozesse, die der eigentlichen
Rezeption (idealtypisch) vorgelagert sind. Be-
grifflich mit Diffusion und Domestizierung ein-
gefangen werden zunächst die Prozesse der
Verbreitung und Aneignung (neuer) Medien
„zusammen gedacht“, eine Makro- und Mikro-
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16 Oct 2018
TL;DR: Introduction to Special Section: The Processes of Imaging / The Imaging of Processes.
Abstract: Introduction to Special Section: The Processes of Imaging / The Imaging of Processes

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